Sonntag, 31. Januar 2010

31. Jan - Das Labyrinth von Chartres


Heute in meine Gemeinde CZI haben wir unsere 5 vor 4 Gottesdienst gehabt. Das heißt der Gottesdienst fing erst 5 vor 16 Uhr an. Da es den ganzen Tag hier geschneit hat, war es gut erst um 15:30 loszufahren.


In der Predigt erwähnte der Pastor das Labyrinth von Chartres von zeigte dieses Bild.

In der Kathedrale von Chartres in Frankreich (erbaut in wenigen Jahrzehnten des 13. Jahrh.) befindet sich im Fußboden eingearbeitet der Weg eines Labyrinths. Es besteht aus schwarzen und grauen Steinplatten, die in den steinernen Boden der Kathedrale eingelassen sind.

Es ist ein Weg der sich über 34 Kehren, durch 11 konzentrische Kreise zum Zentrum windet und 265,50 m lang ist. Er misst 9 Meter im Durchmesser. In diesem Labyrinth steckt klar das uralte Wissen der Priester über die Schwierigkeiten, die wir Menschen auf dem Weg in unser Innerstes zu bewältigen haben.

Man stelle sich vor, dass sich ein Pilger im damaligen Deutschland oder Spanien auf seinen Pilgerweg machte. Nach Monaten sah er von weitem sein Ziel: den Dom von Chartres. Vor dem Portal stehend bewunderte er ehrfurchtsvoll die wunderschönen farbigen Symbole der Rosette und die ihn empfangenden Figuren.

Er stieg die Stufen aufwärts, durchschritt das Portal, musste noch eine minimale Steigung im Dom auf Knien rutschend bewältigen und sah vor sich das Labyrinth, das er jetzt noch durchschreiten musste, ehe er zum Zentrum des Domes, dem Altar, vordringen konnte.

Nun begann dieser eigentliche Weg mit seinen mentalen und emotionalen Schwierigkeiten. Bisher ging sein Pilgerweg gradlinig vom Heimatort nach Chartres. Nun erwartete ihn ein „Irrweg“, der in Wahrheit kein Irrweg ist:

Das Labyrinth von Chartres kann für jeden Meditierenden wie ein komplexes Lehrbuch des Weges hin zu sich selbst sein. (Übernommen von Rudi Baier)

Rote Farbe: Der Eingang in das Labyrinth liegt geöffnet vor uns. Hier beginnt der Weg ins Innere der Persönlichkeit: Dieser Weg ist der eigentliche Sinn des Menschen und das Labyrinth ist mehr als ein Symbol dafür. Das Bewusstsein des Menschen ist durch die Suche und Sehnsucht vorbereitet und so fällt es - mit einem enormen Schwenk - der Mitte, dem Zentrum zu. Gerade diesen Umstand habe ich oft beobachten können und er hat mich in der Arbeit mit Menschen oft fasziniert.

Grüne Farbe: Nun setzt die Umwandlung in der Tiefe ein. Doch dann kommt ein Umbruch, denn die Mechanismen der Persönlichkeit (das Ego), beginnen sich zu melden. Die Sehnsucht und das Aha-Erlebnis des anfänglichen Erlebnisses sind so stark, dass das Ego erst einmal keine Chance hat aufzubegehren. Die tiefen Ängste und inneren Kämpfe der Umwandlungen und Umkehr (gelb im grün) werden ignoriert. Es beginnt eine Zeit der Festigung. Das kann einige Monate oder gar Jahre dauern. Immer wieder kommt man seiner Mitte näher (rechtes Rot). Doch das Bewusstsein erkennt oft nicht den Schleier, der es noch von der eigentlichen Mitte trennt.

Blaue Farbe: Irgendwann setzt das Ego stärker ein, denn dieser wichtige Teil der Persönlichkeit muss mitreifen und neu integriert werden. Jetzt erst beginnt die eigentliche Meditationsarbeit und das heißt: Die Auseinandersetzung mit sich selbst, mit all den Mechanismen, alten Werten und gewohnten Vorstellungen, die wir uns im Laufe des Lebens zu Eigen gemacht haben und mit denen wir uns letztendlich identifizieren.

An diesem Punkt hören viele Menschen mit der Meditation auf, denn sie verwechseln die Auseinandersetzung mit sich selbst mit dem Verlassen der Mitte. Sie halten sich als nicht fähig zu meditieren oder sehen in der Meditation etwas Sinnloses. Sie erkennen nicht, dass sie noch immer auf dem Weg sind und diese Kämpfe und Verzweiflungen zum inneren Weg unabdingbar dazu gehören und dass sie nur in der Nähe ihrer Mitte waren und nicht in der Mitte selbst.

Jetzt sind Mut und Ausdauer gefragt. Die Forderung vieler Meister im „Hier und Jetzt“ zu leben muss nun intensiv und mühsam geschult werden. Die Unabhängigkeit von den vielfältigen Mechanismen muss im Beobachterstatus des eigentlichen Bewusstseins gefunden werden. Daran geht kein Weg vorbei. Der Beobachter in uns ist der Weg selbst. Er weiß, dass er immer in einer offenen Beziehung zur Mitte aber auch zum Außen steht.

Dazu muss man sich bewusst machen, dass der Weg des Labyrinthes an keiner Stelle eine Hürde oder Sperre aufweist. Der Weg ist durchgehend offen, der einzige Unterschied zum langen Pilgerweg nach Chartres besteht darin, dass es diese Kehren gibt. Aber genau darin liegt das Problem für das Ego.

Die Lösung liegt im Begriff der Ein-fach-heit. Hat man sich damit identifiziert, fällt man ohne eigenes Zutun in seine Mitte (dunkles Blau).

Gelbe Farbe: Die ständigen Kehrtwendungen 34 Kehren machen es uns besonders schwer, denn wir müssen ständig unsere Sicht auf das Leben und allem was dazu gehört, ändern. Wir glauben eine Zeit lang ruhig weiter gehen zu können und müssen wieder scheinbar zurück. In dieser Verzweiflung merken wir nicht, dass wir doch weiter gehen. Es ist kein Zurück. Doch unsere Sicht von Weg ist ein gerader Weg, der von A nach B geht (z. B.: von Spanien nach Chartres). So sind wir immer gewohnt ein Ziel vor Augen zu haben und ihm stets näher zu kommen. Im Labyrinth jedoch sehen wir nur kurze Wege und müssen dann wenden. So fürchten wir immer, nie anzukommen.

Vieles klingt schon sehr esoterisch angehaucht - dennoch vieles leuchtet ein bzw. fordert mich heraus.

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